Ägyptologie und Koptologie
print

Links und Funktionen

Navigationspfad


Inhaltsbereich

Vorträge des Collegium Aegyptium am Institut im SoSe 2026

13.04.2026 – 17.07.2026

ibis

Die Vorträge finden in Präsenz im Vortragsraum des Hauses der Kulturinstitute, Katharina-von-Bora-Str. 10, 80333 München, 2. Stock, Raum 242 statt. Zusätzlich ist eine Live-Übertragung via Zoom geplant. Der Link für die Teilnahme geht den Vereinsmitgliedern jeweils einige Tage vor dem Vortrag per E-Mail zu.
Alle anderen Interessenten melden sich bitte zur Online-Teilnahme unter folgender Mail-Adresse an: collegium-aegyptium@aegyp.fak12.uni-muenchen.de

Donnerstag, 23. April 2026, 19 Uhr

Prof. Dr. Regine Schulz, Ludwig-Maximilians-Universität München

Von Ägypten nach Schottland –
Die Ägyptensammlung des Universitätsmuseums in Aberdeen

Zu den Museen der Universität Aberdeen in Schottland gehört eine Sammlung mit über 6500 altägyptischen Objekten. Die meisten dieser Objekte wurden von Sammlern im 19. und frühen 20. Jahrhundert erworben und der Universität gestiftet. Einer der bedeutendsten dieser Sammler war James Grant (1840–1896), auch „Grant Bey" genannt, der als Arzt des Khediven in Ägypten tätig war und sich auch sehr für die aufkommende Ägyptenforschung interessierte. Zu den Sammlungsbeständen gehören neben den verschiedensten Objekten auch Menschen- und Tiermumien sowie mehrere gut erhaltene Särge. In den letzten Jahren konnten diese Objekte nur sehr eingeschränkt in Aberdeen ausgestellt werden, weshalb zwei Wanderausstellungen zusammengestellt wurden, die bislang an sechs Stationen in China gezeigt wurden. Der Vortrag berichtet über die Entstehung der Sammlung und stellt einige der wichtigsten Objekte vor.

Donnerstag, 30. April 2026, 19 Uhr

Prof. Dr. Hourig Sourouzian, Kairo

Amenhotep III und Teje in Theben

Bildnisse von Amenhotep III. und Teje sind in verschiedenen Tempeln seiner Regierungszeit in Ägypten und in Museen gut bekannt. Neue Funde im Tempel der Millionen von Jahren Amenhoteps III. in Theben-West brachten neue Denkmäler des Königs ans Licht. Restauriert und jetzt wieder aufgestellt, sind nun neue Porträts Amenhoteps III., der Grossen Königsgemahlin Teje und der Königstöchter zu bewundern, die das großartige Kunsterbe aus dieser Zeit weiter bereichern.

Donnerstag, 7. Mai 2026, 19 Uhr

Dr. Johannes Jüngling, Ludwig-Maximilians-Universität München

Neues zur Chronologie der 4. Dynastie

Die 4. Dynastie mit ihren imposanten Pyramiden und Königen wie Snofru und Cheops, an die sich schon im Alten Ägypten ganze Erzähltraditionen knüpften, stellt seit jeher einen Brennpunkt des öffentlichen Interesses an den Inhalten der Ägyptologie dar, aber auch eine Epoche sehr unklarer (oder zumindest: umstrittener) zeitlicher
Verhältnisse.  Der Vortrag gibt einen Überblick zu den Quellen für die Chronologie der 4. Dynastie und deren Auswertung im Rahmen des ERC-Projekts „Challenging Time(s)“ (2018-2023) an der Österreichischen Akademie der Wissenschaften zu Wien. Dabei werden zwei inhaltliche Schwerpunkte gesetzt: einerseits die Erklärung des ägyptischen Datierungssystems des Alten Reiches und der Formen der schriftlichen Überlieferung, andererseits deren moderne wissenschaftliche Behandlung. Dabei finden auch Randphänomene wie die Begräbnisboote der Cheopspyramide, digitale Bildbearbeitung und ein nahezu unbekannter König ihren Platz.

Donnerstag, 21. Mai 2026, 19 UHR

Dr. des. Klara Dietze, Deutsches Archäologisches Institut Kairo

Archäologie kultureller Vielfalt.
Neue Forschungen zur spätzeitlichen Urbanistik von Buto

Seit 1984 erforscht eine Mission des Deutschen Archäologischen Institutes, Abteilung Kairo, die Siedlung von Buto (Tell el-Fara’in) im nordwestlichen Nildelta. Während sich die Untersuchungen bislang vor allem auf die Siedlungsentwicklung von der frühdynastischen Zeit bis zum Alten Reich konzentrierten (4.–3. Jt. v. Chr.), richtet ein neu initiiertes Forschungsprojekt den Blick auf die Siedlungshorizonte der Dritten Zwischenzeit und Spätzeit bis zum Beginn des Hellenismus (1. Jt. v. Chr.).
Im Vortrag werden zentrale archäologische Ergebnisse präsentiert, die die Siedlungsgeschichte von Buto als ein dynamisches Gefüge kultureller Aushandlungsprozesse beleuchten: sowohl am Beginn der pharaonischen Epoche als auch an deren Ende. Im Fokus stehen dabei Fragen nach Kontinuität und Transformation im Alltag sowie nach den Mechanismen kulturellen Wandels in einem vielschichtigen sozialen Umfeld. Darüber hinaus wird thematisiert, wie und warum Ortsnamen über Jahrtausende hinweg „wandern“ oder sich verschieben können, welche unerwarteten Impulse eine Wikinger-Siedlung am Bodensee für die Erforschung der unterägyptischen Vorgeschichte in den 1980er-Jahren lieferte und in welchem Zusammenhang der Influx griechischer Söldner in der ägyptischen Spätzeit und Turmhäuser im heutigen Jemen stehen.

Donnerstag, 11. Juni 2026, 19 UHR

Dr. Sandrine Vuilleumier, Universität Basel

Deir el-Medina in griechisch-römischer Zeit:
Laufende Arbeiten und jüngste Fortschritte

Der kleine Tempel von Deir el-Medina bietet die Möglichkeit, die berühmte Stätte des Dorfes der Handwerker im Tal der Könige aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten. Er wurde in der frühen Ptolemäerzeit wieder aufgebaut und weist eine farbenfrohe Dekoration und originelle Inschriften auf, die im Mittelpunkt eines SNF-Forschungsprojekts stehen. Ein weiteres Ziel ist die Erfassung des griechisch-römischen Grabmaterials der Stätte, das dazu beitragen könnte, den Einfluss dieses Gebäudes auf die sozio-kulturelle Landschaft der thebanischen
Region zu kontextualisieren. Darüber hinaus wurde die Analyse der Hieroglyphen-Paläographie des gesamten Gebäudes mit Hilfe neuer Technologien in Angriff genommen. All diese spannenden Themen werden in diesem Vortrag behandelt.

Vortrag des Instituts für Klassische Archäologie an der LMU München in Kooperation mit dem Collegium Aegyptium

Montag, den 22. Juni 2026, 18:15 Uhr

Prof. Dr. Dietrich Raue, Deutsches Archäologisches Institut Kairo

Ende und Anfang im Sonnentempel von Heliopolis

Heliopolis war über mehr als 2400 Jahre eines der bedeutendsten Kultzentren des Alten Ägypten. Der dortige Sonnentempel verband Vorstellungen von Schöpfung, Weltordnung und königlicher Herrschaft und genoss bis in die Spätzeit hinein hohes Ansehen. Obwohl der Fundplatz heute durch moderne Bebauung und steigendes Grundwasser stark gefährdet ist, haben neue ägyptisch-deutsche Forschungen seit 2012 wichtige Erkenntnisse zur Kulttopographie, Architektur und Geschichte des Heiligtums erbracht. Der Vortrag widmet sich der letzten großen Phase des Tempels im 4. Jh. v. Chr., den Spuren seines Abbaus in ptolemäischer Zeit und der späteren Wiederverwendung heliopolitanischer Denkmäler im Römischen Reich.

Donnerstag, 09. Juli 2026, 19 UHR

Prof. Dr. Gesa Schenke, Universität Münster

Ägyptische Unternehmerinnen und Geschäftsfrauen
in der Dachla Oase der spätrömischen Kaiserzeit

Ein Zufallsfund von mehreren hundert als Altpapier gemeinsam erhaltenen griechischen und koptischen Textzeugnissen des 4. Jahrhunderts aus einem Gebäudekomplex in der Ortschaft Kellis der ägyptischen Dachla Oase bietet einen ungewöhnlich detailreichen Einblick in das dichte Netz der Beziehungen seiner Einwohner untereinander. Während in der Vergangenheit häufiger darauf hingewiesen wurde, dass aus den griechischen Urkunden Kollegialität und Zusammenarbeit unter Männern deutlich in Erscheinung trete, zeigt sich in den koptischen Urkunden, wie fest Frauen in dieses Netz eingebunden waren und gelegentlich Führungspositionen übernahmen. Der Vortrag präsentiert eine Analyse dieses reichhaltigen Quellenmaterials und beleuchtet die Rolle von Frauen, die als Geldverleiherinnen und Verwalterinnen fungierten, in Textilproduktion, Handel und Warentransport involviert waren, und bei Verbrechen als öffentliche Zeuginnen herangezogen werden konnten.

Weitere und aktuelle Informationen entnehmen Sie bitte der Website des Collegium Aegyptium sowie unserer Facebook-Seite.

Die Veranstaltungen werden speziell für die Mitglieder des Collegium Aegyptium angeboten. Nichtmitglieder können ebenfalls gerne teilnehmen. In diesem Fall würden wir uns über eine Spende in Höhe von 3,- bis 6,- Euro freuen.